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Waldzustand 2025: Nur noch jeder fünfte Baum ohne Schäden – Wald ist wieder CO₂-Senke
Der Zustand der deutschen Wälder hat sich im Jahr 2025 kaum verändert – und bleibt auf einem historisch schlechten Niveau. Das geht aus der Waldzustandserhebung 2025 hervor, die das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) veröffentlicht hat. Demnach weisen nur noch 21 Prozent der untersuchten Bäume keine Kronenschäden auf. Zum Vergleich: Zu Beginn der bundesweiten Erhebung im Jahr 1984 waren noch 44 Prozent der Bäume ohne Schadensmerkmale eingestuft worden. 35 Prozent der Bäume zeigen derzeit eine deutliche Kronenverlichtung, weitere 44 Prozent fallen in die sogenannte Warnstufe mit schwacher Verlichtung.
In die Erhebung 2025 sind nach Angaben des BMLEH 46.531 Probebäume auf 1.889 Probepunkten eingegangen; erfasst wurden 38 Baumarten. Die Auswertung der Rohdaten der Länder übernimmt das Institut für Waldökosysteme des Johann Heinrich von Thünen-Instituts. Etwa ein Drittel der Landesfläche Deutschlands – 11,5 Millionen Hektar – ist mit Wald bedeckt. Die häufigsten Baumarten sind nach Daten der Bundeswaldinventur 2022 Kiefer (21,8 Prozent), Fichte (20,9 Prozent), Buche (16,6 Prozent) und Eiche (11,5 Prozent).
Fichte und Buche leicht erholt, Kiefer und Eiche verschlechtert
Die Entwicklung fällt je nach Baumart unterschiedlich aus. Bei der Fichte sank die mittlere Kronenverlichtung von 27,2 auf 25,2 Prozent. Das BMLEH weist allerdings darauf hin, dass dieser Wert ein Effekt des flächendeckenden Absterbens der Fichten in den Vorjahren sein kann: Abgestorbene Bäume werden in der Stichprobe durch neue Bäume am Aufnahmepunkt ersetzt. Auch die Buche verbesserte sich von 28,5 auf 25,2 Prozent; gleichzeitig ging ihre Fruchtbildung 2025 deutlich zurück.
Verschlechtert hat sich dagegen die Kiefer: Ihre mittlere Kronenverlichtung stieg von 22,5 auf 24,2 Prozent. Sie weist unter den Hauptbaumarten zwar weiter den besten Durchschnittswert auf, für die Art selbst bedeutet der Anstieg aber eine deutliche Verschlechterung. Der Anteil gesunder Kiefern fiel innerhalb eines Jahres von 20 auf 13 Prozent. Die Eiche bleibt mit einem Anstieg von 29,3 auf 30,1 Prozent die am stärksten belastete Hauptbaumart; nur noch 13 Prozent der Eichen gelten als gesund. Zum schlechten Zustand tragen nach Ministeriumsangaben maßgeblich Insektenbefall, etwa durch den Eichenprachtkäfer, und Pilze bei.
Überdurchschnittlich betroffen sind ältere Bäume: Bei Bäumen über 60 Jahre liegt der Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung bei 44 Prozent, bei jüngeren Bäumen nur bei 17 Prozent. Das BMLEH führt das anhaltend hohe Schadniveau auf die Nachwirkungen der trocken-heißen Sommer 2018 bis 2020 zurück, von denen sich der Wald bislang nicht erholt habe.
Wald wieder CO₂-Senke – Sektor bleibt Emissionsquelle
Auch das Wetter des Erhebungsjahres wirkte auf das Ergebnis: In weiten Teilen Deutschlands lag die Bodenfeuchte nach Ministeriumsangaben zeitweise auf einem Niveau wie in den Dürrejahren 2018 und 2022, besonders betroffen waren Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz sowie Teile Nordrhein-Westfalens. Das BMLEH fördert den Umbau zu klimastabileren Mischwäldern unter anderem über das Förderprogramm klimaangepasstes Waldmanagement, mit dem seit November 2022 zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen finanziert werden.
Parallel zum Waldzustand gibt es eine positive Nachricht aus der Klimabilanz: Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) haben die deutschen Wälder im Jahr 2025 knapp 20 Millionen Tonnen CO₂ mehr gebunden als freigesetzt – sie waren damit erstmals seit Jahren wieder eine Netto-Kohlenstoffsenke. In den Jahren zuvor hatten Dürren, Borkenkäferbefall, Stürme und Waldbrände den Wald zeitweise zum Netto-Emittenten gemacht. Bundesumweltminister Carsten Schneider erklärte dazu, die Wälder hätten den Klimaschutz wieder unterstützt; die positive Entwicklung bleibe jedoch stark vom Wetter abhängig.
Der Landnutzungssektor insgesamt (LULUCF) blieb 2025 dennoch eine Netto-Emissionsquelle. Wie das Thünen-Institut mitteilt, das die Daten für die deutsche Treibhausgasberichterstattung liefert, stammen die meisten Emissionen des Sektors aus organischen Böden – vor allem aus entwässerten Mooren. Die Wiedervernässung von Mooren bleibe daher die zentrale Methode, um die Emissionen des Sektors deutlich zu senken.
Die Bedeutung des Waldes für die Klimabilanz ist erheblich: Nach Angaben des BMLEH sind in den lebenden Bäumen Deutschlands derzeit 1.184 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden – 108 Tonnen je Hektar. Im Totholz stecken weitere 46,1 Millionen Tonnen, in Streuauflage und Mineralboden bis 30 Zentimeter Tiefe weitere 850 Millionen Tonnen. Die Wälder gehören mit durchschnittlich 335 Kubikmetern Holzvorrat pro Hektar zu den vorratsreichsten in Europa. Jeder Kubikmeter Holz enthält etwa 0,3 Tonnen Kohlenstoff, der in langlebigen Produkten jahrzehntelang gebunden bleibt.
Stabilisierung, aber keine Entwarnung
Das BMLEH wertet die Ergebnisse als Stabilisierung auf hohem Schadniveau: Der bundesweite Durchschnitt habe sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die den Bericht kommentiert, spricht dagegen von einem „stabil schlechten“ Zustand und verweist auf den deutlichen Negativtrend seit Erhebungsbeginn 1984. Die Zahl neu abgestorbener Bäume sei bei Laub- wie Nadelbäumen zwar zurückgegangen, eine wesentliche Verbesserung der Lage habe sich nicht eingestellt.
Für die Klimaziele bleibt die Entwicklung zweischneidig. Der Wald speichert wieder Kohlenstoff, doch die Gesamtbilanz des Landes bewegt sich nach UBA-Berechnungen weiter zu langsam: Die Treibhausgasemissionen sanken 2025 nur um rund eine Million Tonnen auf 649 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Um das gesetzliche Ziel einer Minderung um 65 Prozent gegenüber 1990 bis 2030 zu erreichen, müssten die Emissionen nach Angaben von UBA-Präsident Dirk Messner von nun an um durchschnittlich 42 Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Der Zustand des Waldes entscheidet mit darüber, ob die Senkenleistung der Landschaft diese Rechnung künftig stützt – oder belastet.
Quellen:



