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Kommunale Wärmeplanung: 72 von 83 Großstädten erfüllen die Frist – Umsetzung wird zum Prüfstein
Berlin – Zum gesetzlichen Stichtag 30. Juni 2026 haben 72 der 83 deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre kommunale Wärmeplanung fristgerecht abgeschlossen. Das geht aus dem Halbjahresbericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor, der dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP) vorliegt. Bundesweit haben demnach 2.836 Gemeinden ihre Wärmeplanung abgeschlossen – das entspricht 26,3 Prozent aller Kommunen und einer Verdopplung gegenüber Ende 2025. Weitere 4.419 Kommunen befanden sich zum Stichtag bereits im Planungsprozess. Insgesamt lebt nach BBSR-Angaben mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 55,6 Prozent – in einer Kommune mit fertigem Wärmeplan.
Die Wärmeplanung gilt als Kernstück der Wärmewende, also der Umstellung der Heizungsversorgung weg von Öl und Gas hin zu erneuerbaren Energien und Abwärme. Nach dem Wärmeplanungsgesetz mussten Großstädte ihre Pläne bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen haben bis Mitte 2028 Zeit. Die noch fehlenden Großstadtpläne sollen nach Einschätzung des BBSR überwiegend im Laufe des Jahres 2026 folgen.
Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat
Eine Auswertung von Fraunhofer ISE und dem Öko-Institut im Projekt KOMpare, die 377 Wärmepläne für 938 Kommunen untersucht hat, zeigt: Wärmepumpen und Wärmenetze sollen demnach 2045 in den betrachteten Planungen zusammen rund vier Fünftel der Wärmeversorgung abdecken. Wasserstoff spielt den Analysen zufolge nur eine ergänzende Rolle, vor allem für industrielle Anwendungen und Spitzenlasten in Wärmenetzen.
Die Studienautoren weisen jedoch auf Informationslücken hin: Nur für etwa die Hälfte der untersuchten Kommunen liegen Angaben zur künftigen Wärmeerzeugung vor. Zudem übersteigt in 63 Prozent der betrachteten Kommunen der geplante Verbrauch biogener Energieträger das lokal ausgewiesene Potenzial. Beides kann nach Einschätzung der Forscher die Belastbarkeit der Pläne schwächen, wenn es bei der Umsetzung zu Engpässen kommt.
Auch der Markt bewegt sich. Nach Angaben des Bundesverbandes Wärmepumpe stieg der Absatz von Heizungs-Wärmepumpen 2025 auf 299.000 Geräte – ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals sei knapp die Hälfte aller in Deutschland verkauften Wärmeerzeuger Wärmepumpen gewesen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden nach gemeinsamen Angaben von BWP und dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) rund 195.000 Wärmepumpen abgesetzt, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Gebäudebestand werden nach Verbandsangaben inzwischen knapp 80 Prozent der Neuanlagen eingebaut.
Von der Planung zur Umsetzung: Qualität rückt in den Fokus
Mit dem Abschluss der Planung beginne die eigentliche Arbeit, betont das BBSR. Mehr als die Hälfte der untersuchten Großstadtpläne setzt 2045 als Zieljahr für die klimaneutrale Wärmeversorgung an, rund ein Drittel bereits 2040. Damit gewinnen realistische Annahmen zum künftigen Wärmebedarf, zur Sanierung des Gebäudebestands und zum Ausbau der Infrastruktur an Bedeutung – insbesondere dort, wo umfangreiche Wärmenetzgebiete vorgesehen sind.
Für Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer sei entscheidend, dass ausgewiesene Wärmenetzgebiete eine belastbare Orientierung bieten, heißt es in der BBSR-Auswertung. Wo ein Anschluss erst sehr langfristig oder nur unter unsicheren Voraussetzungen realisierbar erscheine, müssten diese Unsicherheiten transparent gemacht werden. Nur dann könne die kommunale Wärmeplanung ihre Funktion als Grundlage für Investitionsentscheidungen erfüllen.
Der Bundesverband Wärmepumpe sieht in den Wärmeplänen allein noch keine ausreichende Investitionssicherheit. BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel kritisiert: „Die Aussagen kommunaler Wärmepläne zu Gas- und Fernwärmenetzen sind häufig vage und vor allem unverbindlich. Ohne die klare Orientierung durch das Gebäudeenergiegesetz bilden sie keine belastbare Investitionsgrundlage.“ Der Verband verweist zugleich auf die Förderstatistik: 2025 seien über 288.000 Förderzusagen für Wärmepumpen erteilt worden – ein Plus von 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Parallel zur Umsetzung läuft die gesetzliche Weiterentwicklung: Am 27. Mai 2026 hat das Bundeskabinett nach Angaben des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen eine Novelle des Wärmeplanungsgesetzes beschlossen. Ziel der Novelle ist es demnach, die Wärmeplanung zu straffen und die Zusammenarbeit der Kommunen mit den Wärmeversorgern zu erleichtern. Für kleinere Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern endet die gesetzliche Frist zur Erstellung eines Wärmeplans Mitte 2028. Aus Sicht der Fachinstitute kommt es dabei weniger auf die Zahl der fertiggestellten Pläne an als auf deren Qualität: Belastbare Angaben zu Wärmebedarf, Netzausbau und Sanierungsquoten gelten als Voraussetzung dafür, dass Hausbesitzer, Stadtwerke und Projektentwickler ihre Investitionen an den Plänen ausrichten können.
Was die Pläne für Verbraucher bedeuten
Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer haben die Wärmepläne unmittelbare praktische Bedeutung. Sie legen fest, in welchen Gebieten künftig Wärmenetze ausgebaut werden und wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen vorgesehen sind. Wer eine Heizungsmodernisierung plant, sollte nach Einschätzung der Fachinstitute prüfen, ob die eigene Kommune bereits einen Wärmeplan veröffentlicht hat. Das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) führt den aktuellen Planungsstand im sogenannten Wärmewendeatlas, in dem für viele Kommunen auch die fertigen Pläne direkt verlinkt sind.
Die nächsten Monate gelten als richtungsweisend: Die Qualität der vorliegenden Pläne, die Nachverfolgung der Umsetzung und die anstehende Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes entscheiden nach Einschätzung der beteiligten Institute darüber, ob die Wärmewende das bislang erreichte Tempo halten kann. Das BBSR will den Fortschritt halbjährlich weiter auswerten.
Quellen:
- Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Halbjahresbericht zur kommunalen Wärmeplanung, Stand 30. Juni 2026
- Fraunhofer ISE / Öko-Institut (Projekt KOMpare): Auswertung von 377 Wärmeplänen für 938 Kommunen
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP): Kommunale Wärmeplanung: Neue Auswertungen zum Stichtag (12.08.2026)
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP) / BDH: Wärmepumpen-Absatz 2025 steigt um 55 Prozent auf 299.000 Geräte (27.01.2026)



