Wasserknappheit und Landwirtschaft: Risiken 2026

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Wasser galt in Deutschland lange als selbstverständlich. Doch der Hitzesommer 2026 zeigt ein anderes Bild: Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums weist besonders im Süden und Südwesten extreme Trockenheit aus. Viele Betriebe kämpfen bereits mit Ernteverlusten.

Eine Landwirtin untersucht trockenen, rissigen Boden in einem teilweise verdorrten Feld mit sparsamer Bewässerung.

Wasserknappheit ist längst kein Problem ferner Länder mehr – laut einer BUND-Studie herrscht in jedem zweiten deutschen Landkreis bereits Wasserstress, und die Landwirtschaft steht dabei besonders unter Druck. Besonders betroffen sind Regionen mit intensivem Ackerbau, viel Industrie oder hoher Bevölkerungsdichte.

Für Sie als Landwirt oder Interessierten heißt das: Der Zugang zu Fluss-, See- und Grundwasser wird stärker reguliert, während der Klimawandel die Trockenphasen verlängert. Im Folgenden erfahren Sie, warum das Thema unterschätzt wird, was die Nationale Wasserstrategie vorsieht und welche Maßnahmen Wasser besser in der Fläche halten.

Warum die Wasserlage 2026 die Landwirtschaft unmittelbar trifft

Ein Landwirt begutachtet ein trockenes Feld mit rissigem Boden und vertrockneten Pflanzen neben einem fast ausgetrockneten Bewässerungskanal.

Der Sommer 2026 zeigt in Süd- und Südwestdeutschland extreme Trockenheit. Gleichzeitig zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums in vielen Regionen tiefrote Werte. Für Betriebe bedeutet das weniger Bodenfeuchte, einen höheren Wasserbedarf und ein steigendes Risiko für Ertragsverluste.

Wassermangel, Wasserknappheit und Wasserstress unterscheiden

Die drei Begriffe klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes.

  • Wassermangel heißt: Es ist physisch zu wenig Wasser vorhanden, etwa wenn Brunnen oder Bäche trockenfallen.
  • Wasserknappheit beschreibt die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Wasser wäre da, aber nicht in der benötigten Menge, zur richtigen Zeit oder am richtigen Ort.
  • Wasserstress entsteht, wenn Pflanzen oder Tiere zu wenig Wasser bekommen und deshalb Wachstum oder Leistung einschränken.

Für Sie als Landwirt ist der Unterschied wichtig, weil er über die passende Lösung entscheidet. Gegen Verteilungsprobleme helfen Speicher und Leitungen. Gegen echten Mangel helfen nur ein geringerer Verbrauch und angepasste Kulturen.

Aktuell ist fast jeder zweite Landkreis in Deutschland von Wasserproblemen betroffen. Industrie, Kommunen und Betriebe konkurrieren dabei um dieselbe Ressource.

Trockenperioden, Dürre und steigende Verdunstung

Trockenheit allein ist kein neues Phänomen. Neu ist, wie lange die Trockenperioden dauern und wie oft sie wiederkehren.

Laut dem Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg waren seit November 2025 alle Monate außer dem Februar zu trocken. Das Grundwasser konnte sich im Winterhalbjahr also kaum erholen.

Dazu kommt die Verdunstung. Höhere Temperaturen durch den Klimawandel entziehen dem Boden und den Pflanzen mehr Wasser, selbst wenn die Regenmenge gleich bleibt.

Ein weiteres Problem ist Starkregen. Fällt viel Wasser in kurzer Zeit auf ausgetrockneten oder verdichteten Boden, fließt es oberflächlich ab, statt zu versickern.

Der Nabu beziffert den bisherigen Wasserverlust in Deutschland auf rund 60 Milliarden Kubikmeter. Als Ursachen gelten neben dem Klimawandel auch entwässerte Böden, versiegelte Flächen und naturferne Wälder.

Ernte, Ernteausfälle und Risiken für die Viehzucht

Wasserstress trifft Kulturen je nach Wachstumsphase unterschiedlich stark.

BereichTypische Folge bei Trockenheit
GetreideNotreife, kleinere Körner, geringere Erträge
MaisSchlechte Bestäubung, lückige Kolben
GrünlandWeniger Schnitte, knappe Futtervorräte
Kartoffeln, GemüseKleinere Knollen, höherer Bewässerungsbedarf

In der Viehzucht wirkt sich der Wassermangel doppelt aus. Zum einen steigt der direkte Wasserbedarf der Tiere bei Hitze deutlich. Eine Milchkuh trinkt dann spürbar mehr als an normalen Tagen.

Zum anderen wird Futter knapp und teuer. Fällt der zweite oder dritte Grünlandschnitt aus, müssen Sie Futter zukaufen oder Bestände verkleinern.

Auch die Binnenschifffahrt spielt eine Rolle. Bei Niedrigwasser verteuert sich der Transport von Futtermitteln und Düngern, weil Schiffe weniger laden können.

Deutschlands Wasserhaushalt unter Druck

Ein Landwirt untersucht trockenen, rissigen Boden auf einem von Dürre betroffenen Feld mit niedrigem Wasserstand im Hintergrund.

Deutschland gilt als wasserreiches Land mit vielen Flüssen und Seen. Doch die Zahlen zeigen ein anderes Bild: Das Wasserdargebot sinkt, die Grundwasserspiegel gehen in vielen Regionen zurück, und seit dem Jahr 2000 hat das Land rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren.

Wasserkreislauf: Warum Niederschlag allein nicht reicht

Im Durchschnitt fallen in Deutschland etwa 800 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Diese Menge hat sich über die Jahrzehnte kaum verändert, ihre Verteilung aber schon.

Für Sie als Landwirt ist genau das entscheidend. Regen, der als Starkregen auf trockenen Boden fällt, läuft oberflächlich ab, statt in den Boden einzusickern.

Dazu kommt die Verdunstung. Höhere Temperaturen sorgen dafür, dass Pflanzen und Böden mehr Wasser an die Luft abgeben.

Der Wasserkreislauf verschiebt sich damit in eine Richtung, die dem Grundwasser schadet:

  • Winter: weniger Schnee, mehr Regen, kürzere Zeit für Grundwasserneubildung
  • Frühjahr und Sommer: längere Trockenphasen, hohe Verdunstung
  • Herbst: Starkregen, der oft abfließt statt zu versickern

Regenwasser ist also da, nur nicht immer dann, wenn Ihre Felder es brauchen.

Sinkende Grundwasserspiegel und gefährdete Grundwasserspeicher

Grundwasser deckt in Deutschland rund 70 Prozent der Trinkwasserversorgung. Außerdem bildet es die wichtigste Reserve für die Feldbewässerung in Trockenjahren.

Genau diese Reserve schrumpft. Nach Daten des Umweltbundesamtes zeigen viele Messstellen seit den 2000er Jahren fallende Grundwasserstände. Besonders betroffen sind Nordostdeutschland, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Teile Frankens.

Eine Studie des BUND kommt zu dem Ergebnis, dass etwa jeder zweite Landkreis unter Wasserstress steht. Betroffen sind vor allem Regionen mit intensiver Landwirtschaft, viel Industrie oder hoher Bevölkerungsdichte.

Das Problem liegt in der langen Zeitspanne. Ein Grundwasserleiter braucht oft Jahrzehnte, um sich zu füllen, aber nur wenige trockene Sommer, um deutlich abzusinken.

Wenn mehrere Trockenjahre aufeinander folgen, fehlt die Erholungsphase. Genau das ist seit 2018 mehrfach passiert.

60 Milliarden Kubikmeter Wasser: Was der Bodensee-Vergleich bedeutet

Eine Analyse der Boston Consulting Group beziffert den Wasserverlust Deutschlands seit den 2000er Jahren auf rund 60 Milliarden Kubikmeter. Der NABU verweist ebenfalls auf diese Größenordnung.

Zum Vergleich: Der Bodensee enthält etwa 48 bis 50 Milliarden Kubikmeter Süßwasser. Deutschland hat also mehr Wasser verloren, als der größte deutsche See fasst.

KennzahlMenge
Wasserverlust seit 2000ca. 60 Mrd. m³
Volumen Bodenseeca. 48–50 Mrd. m³
Geschätzte Schädenbis zu 25 Mrd. Euro pro Jahr

Dieser Verlust steckt nicht nur in Seen und Flüssen. Er verteilt sich auf Bodenfeuchte, Grundwasserspeicher und Oberflächenwasser.

Für Sie heißt das: Die Wasserreserven, auf die Sie in einem Dürrejahr zurückgreifen wollen, sind heute kleiner als vor 25 Jahren.

Regionale Brennpunkte und Nutzungskonflikte

Wasserknappheit trifft Deutschland nicht flächendeckend, sondern regional und saisonal. Besonders deutlich zeigen sich die Spannungen dort, wo Bewässerung, Industrie und Trinkwasserversorgung auf dieselben Wasserressourcen zugreifen, etwa in Brandenburg, am Oberrhein und entlang der großen Flüsse.

Brandenburg und Ostdeutschland: Bewässerung unter besonderem Druck

Brandenburg hat wenig Niederschlag und sandige Böden, die Wasser schlecht speichern. Beides erhöht den Bewässerungsbedarf, gerade bei Kartoffeln, Gemüse und Obst.

Gleichzeitig sinken in vielen Gebieten nach mehreren trockenen Jahren die Grundwasserstände. Das führt zu Konflikten: Landwirtschaftliche Betriebe brauchen im Sommer genau dann Wasser, wenn auch Städte und Gemeinden am meisten verbrauchen.

Behörden reagieren zunehmend mit Auflagen. Dazu gehören:

  • befristete Entnahmeverbote aus Oberflächengewässern bei niedrigen Pegeln
  • Mengenbegrenzungen für neue Bewässerungsbrunnen
  • Vorrang für die Trinkwasserversorgung bei knapper Verfügbarkeit

Für dich als Betrieb heißt das: Wasserrechte werden schwerer zu bekommen und stärker kontrolliert.

Baden-Württemberg und der Oberrhein: Landwirtschaft, Industrie und Trinkwasser

Am Oberrhein liegen ergiebige Grundwasservorkommen, aber auch eine hohe Nutzungsdichte. Obst-, Wein- und Gemüsebau brauchen Wasser, ebenso die chemische Industrie und die öffentliche Wasserversorgung.

In Baden-Württemberg kommen zwei Probleme zusammen. Zum einen steigt der Bedarf in Trockenphasen, zum anderen belasten Nitrat und andere Stoffeinträge Teile des Grundwassers. Wenn die Menge knapper wird, wirkt sich schlechte Qualität stärker aus.

Kommunen bauen deshalb Verbundleitungen und Fernwasserversorgung aus. Für die Landwirtschaft entstehen parallel gemeinschaftliche Bewässerungsverbände, die Entnahmen bündeln und Zeitfenster abstimmen.

Die Wasserpolitik setzt hier auf klare Prioritäten: Trinkwasser zuerst, danach andere Nutzungen.

Rhein und andere Flüsse: Niedrigwasser als Produktionsrisiko

Niedrigwasser im Rhein betrifft nicht nur Schiffe. Wenn die Pegel fallen, steigen die Wassertemperaturen, und Entnahmen für Bewässerung oder Kühlung werden eingeschränkt.

Ähnliches gilt für Elbe, Oder und viele kleinere Flüsse in Nord- und Ostdeutschland. Dort führen trockene Sommer regelmäßig zu Fahrverboten für Pumpen und zu Schäden an Gewässerökosystemen.

Für dich bedeutet das ein doppeltes Risiko:

AuswirkungFolge für Betriebe
Niedrige PegelBewässerung fällt zeitweise aus
Warmes WasserWeniger Kühlwasser für Industrie
Eingeschränkte SchifffahrtHöhere Transportkosten für Futter und Dünger

Wer nur auf Flusswasser setzt, hat in Trockenjahren kaum Alternativen. Speicherbecken, Tropfbewässerung und angepasste Fruchtfolgen senken diese Abhängigkeit.

Wasser effizienter für stabile Erträge nutzen

Wenn Wasser knapper wird, entscheidet die Technik über den Ertrag. Mit gezielter Bewässerung, gespeichertem Regenwasser und angepasster Bodenpflege senken Sie den Wasserverbrauch und halten Ihre Ernte trotzdem stabil.

Tröpfchenbewässerung und Tropfschläuche gezielt einsetzen

Bei der Tröpfchenbewässerung läuft das Wasser direkt an die Wurzel. Dadurch verdunstet deutlich weniger Wasser als bei der Beregnung von oben.

Tropfschläuche eignen sich besonders für Reihenkulturen wie Erdbeeren, Tomaten, Kartoffeln oder Spargel. Sie legen die Schläuche entlang der Reihe, entweder auf den Boden oder unter eine Mulchfolie.

Ein weiterer Vorteil: Blätter und Früchte bleiben trocken. Das senkt den Pilzdruck und ist auch aus hygienischer Sicht wichtig, wenn Sie aufbereitetes Wasser nutzen.

Praktische Punkte, die Sie beachten sollten:

  • Filter einbauen, sonst verstopfen die Tropfer
  • Druck prüfen, damit alle Reihen gleichmäßig versorgt werden
  • Dünger über das System ausbringen (Fertigation) und so Nährstoffe sparen

Regenwasser sammeln und Wasserspeicher ausbauen

Regenwasser fällt in Deutschland weiterhin in ausreichender Menge. Es verteilt sich nur anders über das Jahr: auf starken Regen im Winter folgen oft trockene Phasen im Frühjahr und Sommer.

Genau deshalb lohnt sich Speicherung. Von der Regentonne am Betriebsgebäude bis zum Erdbecken oder Folienspeicher für mehrere tausend Kubikmeter gibt es Lösungen für jede Betriebsgröße.

Dachflächen von Ställen, Hallen und Maschinenschuppen liefern große Wassermengen. Ein Dach mit 1.000 Quadratmetern sammelt bei 600 Millimetern Jahresniederschlag rechnerisch rund 600 Kubikmeter.

Wichtig: Für größere Speicher und die Entnahme aus Gewässern brauchen Sie in der Regel eine wasserrechtliche Genehmigung. Klären Sie das früh mit der zuständigen Behörde.

Anbau, Bodenpflege und Bewässerungszeitpunkte anpassen

Ihr Boden ist der günstigste Wasserspeicher. Humusaufbau, Zwischenfrüchte und Mulchauflagen erhöhen seine Speicherfähigkeit und bremsen die Verdunstung an der Oberfläche.

Reduzierte Bodenbearbeitung hilft zusätzlich, weil die Kapillaren im Boden erhalten bleiben.

Der Zeitpunkt zählt ebenfalls. Bewässern Sie früh morgens oder abends, dann geht weniger Wasser durch Verdunstung verloren als in der Mittagshitze.

Orientieren Sie sich nicht am Gefühl, sondern an Daten:

HilfsmittelNutzen
Bodenfeuchtesensorenzeigen den tatsächlichen Wasserbedarf in verschiedenen Tiefen
Wetterdaten und Verdunstungsmodellehelfen bei der Planung der nächsten Gabe
Digitale Bewässerungssteuerungpasst Mengen automatisch an

Bei der Sortenwahl gewinnen trockenheitstolerante Typen an Bedeutung. Die Forschung arbeitet an Getreidesorten mit tieferem Wurzelsystem und besserer Wassernutzung.

Wasserqualität und alternative Quellen sichern

Sauberes Wasser ist für Ihren Betrieb genauso wichtig wie ausreichend Wasser. Aufbereitetes Abwasser aus Kläranlagen, weniger Einträge von Pestiziden und Nährstoffen und ein realistischer Blick auf Entsalzungsanlagen bestimmen, wie stabil Ihre Wasserversorgung in den nächsten Jahren bleibt.

Brauchwasser aus Kläranlagen sicher wiederverwenden

Gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen kann als Brauchwasser auf dem Feld eingesetzt werden. Seit Juni 2023 gilt dafür die EU-Verordnung 2020/741, die vier Qualitätsklassen festlegt.

Für Salat, Erdbeeren oder anderes Gemüse, das roh gegessen wird, gilt die strengste Klasse A. Für Futterpflanzen oder Industriekulturen reichen niedrigere Anforderungen.

Wichtig ist ein Risikomanagementplan. Sie müssen Keime, Schwermetalle und Salzgehalt regelmäßig prüfen lassen, damit Boden und Ernte nicht belastet werden.

Ein praktischer Punkt: Die Leitung von der Kläranlage zum Feld kostet Geld. Deshalb funktioniert Wiederverwendung meist dort gut, wo Anlage und Anbaufläche nah beieinanderliegen.

Pestizide und Nährstoffe als Risiko für Grundwasser

Etwa ein Viertel der deutschen Grundwasserkörper erreicht wegen zu hoher Nitratwerte keinen guten chemischen Zustand. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter.

Nährstoffe und Rückstände von Pestiziden brauchen oft Jahre oder Jahrzehnte, bis sie den Grundwasserleiter erreichen. Was heute versickert, beeinflusst also die Wasserreserven Ihrer Nachfolger.

Das können Sie tun:

  • Düngung nach Bedarf: Nmin-Proben und Bodenanalysen statt pauschaler Gaben
  • Zwischenfrüchte im Herbst, damit Stickstoff nicht ausgewaschen wird
  • Gewässerrandstreifen als Puffer gegen Abdrift und Abschwemmung
  • Wirkstoffwahl mit Blick auf Abbaubarkeit und Bodeneigenschaften

Für die Wasserwirtschaft ist das auch eine Kostenfrage. Wird Trinkwasser aufwendig aufbereitet, zahlen am Ende die Verbraucher in der Region.

Entsalzungsanlagen und internationale Beispiele richtig einordnen

Entsalzungsanlagen wandeln Meerwasser in Süßwasser um. Spanien, Israel und Saudi-Arabien nutzen sie im großen Stil, Israel deckt damit einen erheblichen Teil seines Trinkwassers.

Für Deutschland ist das kaum eine Lösung. Die meisten landwirtschaftlichen Regionen liegen weit von der Küste entfernt, und der Transport von Wasser über Hunderte Kilometer verbraucht viel Energie.

Dazu kommt: Entsalzung braucht rund 3 bis 4 Kilowattstunden Strom pro Kubikmeter. Die zurückbleibende Salzlauge belastet zudem das Meer in der Nähe der Anlage.

Übertragbar sind eher andere Ansätze aus diesen Ländern. Israel verwendet fast 90 Prozent seines geklärten Abwassers in der Landwirtschaft und setzt stark auf Tropfbewässerung. Das lässt sich auch auf deutsche Wasserressourcen anwenden.

Was Politik, Betriebe und Gesellschaft jetzt tun müssen

Wasserknappheit lässt sich nicht mit einer einzigen Maßnahme lösen. Sie brauchen klare politische Vorgaben, faire Regeln für die Verteilung, mehr natürliche Speicher in der Landschaft und eine langfristige Steuerung, die Wasser als das behandelt, was es ist: eine begrenzte Ressource.

Nationale Wasserstrategie und regionale Wasserstrategie umsetzen

Das Bundeskabinett hat die Nationale Wasserstrategie im März 2023 beschlossen. Sie enthält ein Aktionsprogramm mit 78 Maßnahmen, die bis 2030 schrittweise umgesetzt werden sollen.

Bund und Länder haben daraus 38 vorrangige Aktionen ausgewählt. Für 2027 sind ein Statusbericht und eine Stakeholderkonferenz geplant.

Für Sie als Landwirtin oder Landwirt ist vor allem die regionale Ebene wichtig. Denn der Wasserhaushalt unterscheidet sich stark zwischen Brandenburg, dem Rheinland und Bayern.

Sinnvoll sind deshalb regionale Wasserstrategien, die drei Fragen beantworten:

  • Wie viel Grundwasser bildet sich im Einzugsgebiet tatsächlich neu?
  • Welche Entnahmen sind bereits genehmigt?
  • Was passiert in einem trockenen Sommer wie 2018 oder 2022?

Wasserpreise, Entnahmerechte und Prioritäten transparent gestalten

Wasserentgelte für die Entnahme unterscheiden sich in Deutschland je nach Bundesland deutlich. Einige Länder erheben gar kein Entgelt, andere staffeln nach Nutzungsart.

Das führt dazu, dass Industrie und Landwirtschaft in manchen Regionen sehr wenig für große Entnahmemengen zahlen. Fachleute kritisieren diese Ungleichheit seit Jahren.

Wichtiger als der reine Preis ist für Sie jedoch Planungssicherheit. Sie müssen wissen, mit welcher Wassermenge Sie in fünf oder zehn Jahren rechnen können.

Dafür braucht es klare Regeln:

BausteinWas er leisten soll
Digitales EntnahmeregisterAlle Rechte und Mengen an einem Ort erfassen
Befristete ErlaubnisseAnpassung an sinkende Grundwasserstände ermöglichen
Vorrangregeln für TrockenzeitenTrinkwasserversorgung zuerst, dann Tierhaltung, dann Feldbewässerung

Die Trinkwasserversorgung hat in Deutschland gesetzlich Vorrang. Wie die restlichen Mengen verteilt werden, entscheiden bisher oft die unteren Wasserbehörden im Einzelfall.

Natürliche Speicher und weniger versiegelte Flächen schaffen

Regen, der schnell abfließt, füllt keine Grundwasserspeicher. Genau das passiert auf versiegelten Flächen und in stark entwässerten Landschaften.

In Deutschland werden täglich rund 50 Hektar für Siedlung und Verkehr neu in Anspruch genommen. Die Bundesregierung will diesen Wert weiter senken.

In der Fläche wirken vor allem diese Maßnahmen:

  • Entwässerungsgräben umbauen, damit Wasser länger in der Fläche bleibt
  • Moore wiedervernässen, was zusätzlich Kohlenstoff bindet
  • Humus aufbauen: Ein Prozent mehr Humus speichert je nach Boden mehrere Zehntausend Liter Wasser pro Hektar
  • Hecken und Baumreihen pflanzen, um Verdunstung durch Wind zu senken

Städte können mit Versickerungsflächen, Dachbegrünung und Rückhaltebecken nachziehen. Das entlastet auch die Kanalisation bei Starkregen.

Wasser als strategische Ressource langfristig steuern

Wasser wird künftig weniger wie eine beliebig verfügbare Ware behandelt und stärker wie eine strategische Reserve. Nutzungsregeln, etwa Bewässerungsverbote im Hochsommer, gehören in trockenen Regionen schon heute zum Alltag.

Für Betriebe heißt das: Der Wasserbedarf gehört in jede Investitionsentscheidung. Wer heute eine Sonderkultur pflanzt oder einen Stall baut, legt damit den Wasserbedarf für Jahrzehnte fest.

Sinnvoll sind Messstellen auf dem eigenen Betrieb, Bodenfeuchtesensoren und dokumentierte Entnahmemengen. Diese Daten stärken Ihre Position, wenn Behörden die Entnahmerechte neu bewerten.

Auf globaler Ebene hat Wasserknappheit auch eine Migrationsdimension. Wo Ernten dauerhaft ausfallen, verlassen Menschen ihre Regionen. Das ist ein Grund, warum die Nationale Wasserstrategie auch den Schutz globaler Wasserressourcen als Thema führt.

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Hannah Keller
Hannah Keller

Umweltjournalistin mit Fokus auf Klimaschutz und nachhaltige Energien. Sie schreibt über erneuerbare Energien und CO₂-Reduktion.